VERONIKA’S NDIIGO

Album: „A Pocket Full Of Rainbows“ (ndiigo.ch)

Diese Band hat viele Regenbögen in der Tasche und zeigt sie uns mit ihrer Musik. Sie bauen Brücken mit Sound und Farben von ihren Herzen zu unserem Herz. Nun, wer sind diese Brückenbauer:innen. Es sind Veronika Stalder (Gesang, Gitarre, Geige, Nyckelharpa), Oli Hartung (akustische Gitarre, Backing Gesang), Antonio Schiavano (akustische Bassgitarre, Backing Gesang) und Samuel Baur (Perkussion, Backing Gesang). Auf diesem Album sind noch bei diesem und jenem Stück Gäste dabei, das sind Patrizias Dräger (Akkordeon), Matthieu Michel (Flügelhorn), Emilia Amper aus Schweden (Nyckelharpa), Amine Mraini aus Tunesien (Oud), Anette Odimer aus Norwegen (Backing Gesang) und Patrizia Stalder (Backing Gesang). So vielseitig wie die Zusammensetzung klingt auch die Musik. Veronika Stalder singt Englisch und Spanisch und weitere Sprachen. Das sind wunderschöne Klänge und Lieder, ruhig und doch bewegt, mit dezentem, aber bestimmtem Rhythmus und sehr filigranen Klängen der Instrumente. Die berührende Stimme von Veronika Stalder klingt wundervoll. Die Gitarren bilden das feine Geflecht, Bass und Perkussion sind die luftigen Säulen der Brücke, sodass der Gesang darüber schweben kann. Ein aussergewöhnliches Album.

Fredi Hallauer

TINU HEINIGER UND GERHARD TSCHAN

Live: „Heiniger Abend – Der Alte und das Biest“ in der La Cappella am 25. Dezember 2025

Bild Kathrin Hallauer

Das war einer der besten Heiniger Abende. Tinu Heiniger und Gerhard Tschan hatten selbst Spass, auch am ganzen Aufbau des Abends. Sie musizierten, Gerhard Tschan spielte auch Theater, und es war ein sehr lustiger und ein besinnlicher Abend. Tinu Heiniger eröffnete mit einem ruhigen Lied, dann kam das zweite Lied, wo er auch Mundharmonika spielte, und so langsam schlich sich eine zweite Mundharmonika ein, von hinter der Bühne, und Gerhard Tschan trat spielend auf. Dann war Stille. Gerhard Tschan sprach über die Schönheit der Stille und dass überall viel geredet wird und niemand zuhört, und er höre den Politikern und Wissenschaftlern auch nicht mehr zu, er habe genug. Darauf wechselten sich Tinu Heiniger und Gerhard Tschan mit Liedern ab und spielten oft auch zusammen.

Bild Kathrin Hallauer

Tinu Heiniger spielte Gitarre, Mundharmonika und Klarinette, Gerhard Tschan Akkordeon und Mundharmonika. Die Szenen von Gerhard Tschan waren sehr lustig, zeigten das Leben im Emmental. Ein Beispiel ist der Abend des Jodelclubs, wo bei der Totenehrung plötzlich der Salat in den Saal gebracht wurde, Stumpen angezündet wurden und über alles und jenes reklamiert wurde. Nach der Pause, war es die Szene vom Pfarrer, welcher über das Wasser predigte und Wein trank. Die beiden Melker aus dem Emmental waren ebenfalls sehr gelungen, auch sonst erzählte Gerhard Tschan Geschichten mit höherem Blödsinn und Tiefgang. Stehen Koffer oder liegen sie? Die Pferde liegen auch im Stehen. Die Krönung von Gerhard Tschan war das Lied von der Blume im Advent von Kolumbien, ging unter die Haut.

Bild Kathrin Hallauer

Tinu Heiniger sang Lieder, welche die eifrigen Besucher:innen seiner Konzerte kennen, wie „Högerland“, „I singe no lang“, und wunderschöne Liebeslieder vom Kommen und Gehen. „Heimetvogel“ war grossartig und das Publikum sang immer wieder kräftig mit. Klarinettenstücke spielte er ebenfalls.

Bild Kathrin Hallauer

Wie bereits geschrieben, ein grossartiger Abend und allgemein etwas vom Besten des 2025.

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Fredi Hallauer

BLISS

Live: „Merry Blissmas“ im Cube Bern am 22. Dezember 2025

Bild Kathrin Hallauer

Die fünf Männer haben es gewagt und eine neue Merry Blissmas Show auf die Bühne gestellt. Diese Show war wirklich neu, teils mit den gleichen Figuren wie die Nonnen, aber mit vielen neuen Figuren. Singen können sie einfach, diese Fünf, und ihre Arrangements sind genial, egal ob in der Originalsprache oder auf Schweizerdeutsch. Ein Teil der Lieder hatte auch einen ganz anderen Text in Dialekt als im Original.

Die Zwischentexte waren gute Unterhaltung mit bösen Seitenhieben auf die Politik oder den BSC Young Boys, welcher schräg gegenüber dem Cube spielt. Grossartig war der Jahresrückblick als politisches Meteo. Da wurden Politiker aus allen Herren Ländern und vor allem der Schweiz, nicht unbedingt lobend erwähnt. Als Beispiel sei genannt: „Nach Abzug des Amherd-Tiefs im Wallis, setzte sich in Bern ein Sutter-Keller-Dauertief fest“. Die Lieder waren teils besinnlich und teils beschwingt.

Bild Kathrin Hallauer

Dazwischen gab es immer wieder Gags, wie den Laubbläser, mit dem man den Schnee vor die Garage des Nachbarn blasen kann, und tatsächlich bliesen sie mit einem Laubbläser weisse Papierschnipsel bis mindestens zur zehnten Reihe im Publikum. Der zweite Teil startete mit einem Puppentheater.

Bild Kathrin Hallauer

Die Sänger standen in Puppen und bewegten mit ihren Händen die Puppenhände. Das war sehr einfallsreich. Sie spielten ein Märchen von der Prinzessin mit den drei Nussgipfeln. Das ganze Stück war alles in Esswaren formuliert, wie der Sbrinz (Prinz). Es war lustig, aber etwas lang, weil so in der ersten Hälfte des zweiten Teils erst am Schluss wieder gesungen wurde. Nach einem neuen «Weihnachtsbaum»-Medley traten dann auch noch die Nonnen wieder in Erscheinung und blieben Nonnen bis zum Schluss. Prächtigste und teils intelligente Unterhaltung und manchmal auch nur wohltuender höherer Blödsinn.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Ich Wöt Mir Selber Is Gsicht Chotze“ (Mouthwatering Records)

Dies ist das vierte Album von Dachs. Sie bleiben sich treu mit frechen Songtiteln, gesellschaftsrelevanten Texten in den Feinheiten, manchmal auch sonst. Musikalisch versuchen sie, sich etwas breiter abzustützen, da fliesst Hip-Hop hinein, dort ein wenig Indie oder Disco. Die Basis ist der Pop und die Electronica. Diese breitere Abstützung des Sounds geschieht vorwiegend in den Intros, dann nimmt der Beat Fahrt auf und die Songs ähneln sich ziemlich stark. Auch das Muster des Gesangs wiederholt sich in den verschiedenen Liedern. Zwei aussergewöhnliche Kollaborationen sind zu hören, zum einen mit To Athena und zum anderen mit Luuk. Dies ist ein Album, welches wiederum Zeichen setzt in der Schweizer Musikszene.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Vo De Bärge Här“ (Hitmill)

Die elf Sänger des Heimatpop Männerchors waren wiederum fleissig und nahmen ein weiteres Album auf. Georg Schlunegger schrieb wiederum die Lieder aus Geschichten der Sänger. Bei einem Lied ist Trauffer mit dabei und eines ist ein Volkslied, nämlich „Du fragsch mi wär i bi“. Insgesamt gibt es zehn Lieder. Einige der Lieder sind im gewohnten Heimweh-Stil und bei anderen kommt etwas neuer Wind hinein. „Alplerchilbi“ ist ein sehr beschwingtes Stück. Das ganze Album ist gewohnt sauber produziert und hat einen grossartigen Klang. Für alle, welche die Gruppe Heimweh mögen, ein schönes Hörerlebnis, und wer nur motzen will, soll es lieber gar nicht anhören.

Fredi Hallauer

HEIMAT LIEBI

Album: „Ländler Tornado“ (Hitmill)

Da kommt eine neue Band aus dem Hause Hitmill mit Musik, die Georg Schlunegger geschrieben hat, und bei den Texten hat er ebenfalls mitgeschrieben. Wer sind Heimat Liebi? Das sind Adamo Häller von Chue Lee und von Trauffer am Örgeli/Akkordeon und der Gitarre und Gesang, Urs Fischer, bekannt als Dr Eidgenoss am Örgeli und Gesang, und Schibä von Aextra und QL an der Gitarre und Gesang. Auf dem Album sind noch ein Violinist dabei, ein Kontrabassist und ein Perkussionist und da und dort noch eine kleine Unterstützung. Live sollen ein Kontrabassist und ein Perkussionist dabei sein. Was machen denn die für Musik? Kurz gesagt kann man das Volkspop nennen. Mit Ländler hat es wenig zu tun. Die Örgeli spielen ziemlich wild daher, sind aber leicht in den Hintergrund gemischt, der Rhythmus ist nahe beim Schlager und der jodelartige Gesang erinnert an Heimweh und rutscht manchmal etwas in die bierselige Party ab. Klar, es soll Partymusik sein, aber ein wenig mehr Niveau würde nichts schaden. Die gute Idee wurde nicht in allen Liedern gut ausgeführt.

Fredi Hallauer

CAMELIN

EP: „From Better Days“

Camelin ist ein jüngerer, auf Englisch singender Singer/Songwriter. Er begleitet sich auf der Gitarre und zusätzlich gibt es manchmal eine wohlklingende E-Gitarre, einen Bass oder eine Frauenstimme im Backing. Camelin singt von den besseren Zeiten, den blutigen Grenzen und vom Nichtaufgeben und dass man es trotzdem tut. Ein toller Anfang, und es könnte sich lohnen, Camelin im Auge und Ohr zu behalten.

Musik von Camelin mit dieser aktuellen EP ist auf mx3 zu finden https://mx3.ch/home/search?q=camelin

Fredi Hallauer

MARC TSCHANZ

Album: „Heavy Örgeli“

Der Örgeler Marc Tschanz hat sein zweites Album veröffentlicht. Mit dabei sind ein Bassist und ein Gitarrist, manchmal hört man noch ein Schlagzeug.. Wie es der Titel des Albums sagt, geht es etwas rockig zu und her, trotzdem steht das Örgeli im Vordergrund. Marc Tschanz versteht es mit seinem Örgeli einen swingenden und rockenden Groove in die Musik zu bringen. Mit diesem Album kommt er seinem Ziel näher, welches lautet, in jedem Musikgenre gespielt zu haben. Er spielt auch für das Örgeli ungewohnte Harmonien und Rhythmuswechsel. Die meisten Stücke sind Eigenkompositionen. Am Schluss interpretiert er das Halleluja von Leonard Cohen und nachher noch ein ganzes Pophit Medley. Das ist ein herrliches Instrumentalalbum, ohne Eintönigkeit, und dazu ein Örgeli Album ohne den Heimweh Sound.

Fredi Hallauer

CHAUFFEUR ET PARLAK

Album: „The Swamp“ (Mouthwatering Records)

Das Instrumentalduo aus dem Raum Zürich und Aargau präsentiert ihr drittes Album in drei Jahren. Es ist der Abschluss der Trilogie. Die beiden Multiinstrumentalisten haben sich auf ihre Wurzeln zurückbesonnen und spielen härtere Riffs. Trotzdem sind immer noch schöne Melodien zu hören. Die Musik ist cineastisch und lädt zu einem Kopfkino-Abend ein. Eine gewisse Gleichmässigkeit ist bei diesem Album ebenfalls auszumachen, und so macht sich vielleicht das Kopfkino plötzlich selbstständig. Ein gutes Album mit den Schwierigkeiten von Instrumentalalben.

Fredi Hallauer

MOON JUNIT

Album: „Nylon Memory“ (A Tree In A Field Records)

Der Gitarrist aus dem Jura nahm ein Soloalbum auf. Musikalisch unterstützt wurde er von Luzis Schuler auf ein paar Instrumenten. Neben der Gitarre ist der Computer mit Drum ziemlich präsent, aber auch die Natur, welche man dazu eingespielt hat. Es sind schöne Gitarrenklänge, aber die Musik verliert nach ein paar Stücken hintereinander hören, die Spannung, das Geheimnisvolle. Es ist Instrumentalmusik mit einer Ausnahme. Stilmässig sind diese Klänge schwierig einzuordnen. Es ist träumerische Musik, vielleicht cineastische Musik. Eignet sich als Loungemusik.

Fredi Hallauer

HEIDI HAPPY

Live:  „Christmas Tour“ in der La Cappella am 5. Dezember 2025

Bild Kathrin Hallauer

Heidi Happy wurde am Flügel und Backing Vocals begleitet von Ephrem Lüchinger. Sie starteten mit den amerikanischen Weihnachtsliedern. Sie sang sie gewohnt locker und leicht jazzig. Ephrem Lüchinger spielte das Klavier ebenso, und dazu noch recht unkonventionell. Doch bald kündigte sie an, dass diesmal nicht nur Weihnachtslieder zur Aufführung gelangten, sondern auch ihre grössten Hits.

Bild Kathrin Hallauer

Sie sangen dann zusammen ein Duett, welches Heidi Happy normalerweise mit Stephan Eicher singt. Ephrem Lüchinger war da aber nicht sattelfest. Überhaupt wirkte alkes etwas schlecht vorbereitet, die Noten waren nicht in der richtigen Reihenfolge und die Perkusdionsinstrumente am falschen Ort und noch mehr klappte nicht. Nach dreissig Minuten war bereits Pause.

Bild Kathrin Hallauer

Der zweite Teil dauerte rund 45 Minuten. Die Beiden waren etwas konzentrierter oder weniger nervös und Ephrem Lüchinger hat die fehlenden Noten gefunden. Das Reüerzätoire bestand aus mehr Weihnachtsliedern auch einer schönen Version von „Last Christmas“. Als letztes Lied im Programm sang HeidibHappy ein Weihnachtslied in Mundart, welches sie zusammen mit Michael von der Heide schrieb. Es folgten zwei Zugaben.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

DOM SWEDEN

EP: „Schattetanz“

Der Zürcher Mundartpopmusiker nahm vier Lieder auf. Sie handeln allesamt von gebrochener Liebe, vom Verlassenwerden und von der Frage: Was nachher? Musikalisch ist es Pop. Das Songwriting hat eine hohe Qualität zu den oben erwähnten Themen. Ein kleiner Wermutstropfen sind die künstlichen Ausflüge in die Kopfstimme, obwohl dies nach meiner Meinung nicht nötig wäre und die Melodie mehr Fluss hätte. Aber da Dom Sweden offenbar unter der zerbrochenen hörbar leidet, will er uns mitleiden lassen.

Fredi Hallauer

TINY SATELLITE

Album: „Your Smile Lives In Me“ (Irascible)

Tiny Satellite ist das Soloprojekt des Singer/Songwriters und Produzenten Giovanni Vicari aus Basel. Er präsentiert mit den Texten seine Zerbrechlichkeit und mehr aus seinem Seelenleben. Die Musik ist elektronisch bearbeiteter Folk, ohne Beats, und auch der Gesang hat Bearbeitungen erfahren. Es sind ästhetische Songs darunter. Besonders gefällt mir „Driving & Longing“, er könnte aus den 60gern sein. Ansonsten sind die Songs etwas gleichförmig.

Fredi Hallauer

BOXWELL

EP: „In Circles“ (A Tree In A Field Recordings)

Boxwell ist ein englisch-schweizerischer, in Zürich ansässiger Musiker. Dies ist ein Soloprojekt. Die Musik ist elektronisch und hat leichte Beats, dazu orgelähnliche Klänge und ein bisschen Space-Sound. Dazwischen spielt er Gitarre und es wird fast folkig. Die Songs, vorwiegend die Klänge, drehen sich wie im Kreis um den Gesang. Kammerpop, Elektrokammerpop sind vielleicht die Schubladen, wo man diese Musik einordnen kann. Es sind sehr sanfte Klänge und die Stimme klingt noch viel sanfter und erinnert an Folksongs der 60er. Dies ist eine spezielle Musikmischung, aber nicht uninteressant.

Fredi Hallauer

TENDER ENDER

Album: „Black Swan“ (A Tree In A Field Records)

Der Musiker Tender spielt Doomsday Pop, das bedeutet, seine Musik liegt zwischen den Taktstrichen kurz vorher und gerade nachher. Die Songs sind zynisch, kräftig und auch beruhigend. Mit seiner sonoren Stimme kann er die Stimmung gut herüberbringen. Er spielt Tasten, und Synthesizer und singt. Mit dabei sind ein Schlagzeuger und eine Sängerin. Das ist ganz spannende Musik, die Tender Ender hier spielt, und es lohnt sich, diesen Klängen zu lauschen. Viel mehr lässt sich dazu nicht schreiben, hören ist besser.

Fredi Hallauer